Kirchstrasse

Die Kirchstraße wurde ehemals Kuhgasse genannt. Die niedrigen Türen im hohen Bruchsteinsockel der Kirchplatzhäuser führen in das Kellergeschoss. Viele Hausbesitzer hielten sich ein oder zwei Kühe für den Eigenbedarf. Jeden Morgen wurden sie vom städtischen Kuhhirten durch die Kuhgasse auf die Weiden vor der Stadt getrieben. So erhielt die Gasse täglich ihr „natürliches Pflaster“.

Da machte es nicht viel aus, wenn die Hinterlassenschaften der Tiere durch menschliche ergänzt wurden. Über der ehemaligen Stalltür ist die „Mündung“ eines Abtritts erhalten geblieben, der Toilette des Hauses.

In welchem Umfang das „heimlich Gemach“ auch soziale Funktionen zu erfüllen hatte, wenn zwei Abtritthäuschen neben- oder hintereinander lagen, zeigt der Bedeutungswandel seit der mittelhochdeutschen Zeit. Das „heimlich Gemach“ wurde zum „sprâchhûs“, zum Ort, wo man ungestört Gespräche führen konnte. Ironisch wurde aber nicht nur der Abtritt als „sprâchhûs“ bezeichnet, sondern auch das Rathaus.

Kirchstrasse Hattingen
Kirchstrasse Hattingen früher
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